E-Wallets im Vergleich: Neteller, Skrill und PayPal im Alltagstest
Wer wie ich mit Kunden in mehreren Ländern arbeitet, kommt an digitalen Geldbörsen kaum noch vorbei. Rechnungen aus London, ein Honorar aus Warschau, eine Software-Lizenz aus den USA: Für all das habe ich in den letzten Jahren drei E-Wallets im Einsatz gehabt, und zwar die drei, die einem in Europa am häufigsten begegnen. Zeit für einen ehrlichen Vergleich, ganz ohne Werbeversprechen.
PayPal: der Platzhirsch mit versteckter Schwäche
PayPal ist der Dienst, den ohnehin fast jeder hat. Geld an Freunde und Familie senden ist innerhalb derselben Währung kostenlos, bezahlen im Online-Shop ebenfalls. Die Schwäche zeigt sich erst, wenn Fremdwährungen ins Spiel kommen: Bei der Währungsumrechnung schlägt PayPal rund 4 Prozent auf den Wechselkurs auf, und genau das trifft jeden, der regelmäßig Zahlungen aus dem Nicht-Euro-Ausland erhält. Für mich als Übersetzerin mit britischen Kunden ist das der Posten, der am Jahresende richtig weh tut.
Neteller und Skrill: die Spezialisten aus demselben Haus
Neteller und Skrill wirken auf den ersten Blick wie Konkurrenten, gehören aber beide zum Zahlungskonzern Paysafe. Beide sind auf schnelle Transfers zwischen Wallets ausgelegt, das Geld bewegt sich innerhalb des Systems praktisch in Echtzeit. Auch hier gilt allerdings: Die Währungsumrechnung kostet, laut Gebührenverzeichnis liegt der Aufschlag bei Skrill bei 3,99 Prozent, Neteller rechnet ähnlich ab. Wer clever ist, führt sein Wallet deshalb gleich in der Währung, in der die meisten Zahlungen eingehen, und tauscht nur dann, wenn es wirklich sein muss.
Ihre eigentliche Stärke spielen die beiden Paysafe-Dienste in Branchen aus, in denen Auszahlungsgeschwindigkeit alles ist. Warum ausgerechnet Online Casinos bei internationalen Zahlungen die Nase vorn haben, habe ich in meinem Artikel über die Dauer internationaler Überweisungen aufgeschrieben. Kurzfassung: Dort sind Wartezeiten von Tagen schlicht nicht akzeptabel, und E-Wallets sind die technische Antwort darauf.
Der Punkt, über den kaum jemand spricht: Käuferschutz
Ein Unterschied zeigt sich erst, wenn etwas schiefgeht. PayPal bietet für Warenkäufe einen Käuferschutz, über den sich strittige Zahlungen zurückholen lassen, das hat mir bei einer nie gelieferten Bestellung aus Italien schon einmal den Abend gerettet. Neteller und Skrill sind dagegen als reine Transferdienste gebaut: Was gesendet ist, ist gesendet. Für Zahlungen an Menschen und Firmen, die man kennt, ist das egal. Für den Kauf bei einem unbekannten Shop wäre es mir zu riskant.
Der direkte Vergleich
| Kriterium | PayPal | Neteller | Skrill |
|---|---|---|---|
| Verbreitung im Alltag | sehr hoch | mittel | mittel |
| Senden an Privatpersonen (gleiche Währung) | kostenlos | je nach Kontomodell | je nach Kontomodell |
| Aufschlag bei Währungsumrechnung | rund 4 % | rund 3,99 % | 3,99 % |
| Transfer Wallet zu Wallet | schnell | praktisch Echtzeit | praktisch Echtzeit |
| Typischer Einsatz | Online-Shopping, Privatzahlungen | internationale Auszahlungen, Gaming | internationale Auszahlungen, Gaming |
Angaben ohne Gewähr, Stand: Juli 2026. Maßgeblich sind die aktuellen Gebührenverzeichnisse der Anbieter.
Mein Fazit
Es gibt nicht das eine beste E-Wallet, es gibt nur das passende für den jeweiligen Zweck. PayPal bleibt für Alltagskäufe und Zahlungen unter Freunden gesetzt. Sobald aber regelmäßig Geld über Währungsgrenzen wandert, lohnt der Blick auf die Konditionen im Detail, denn die Umrechnungsaufschläge sind bei allen drei Diensten der eigentliche Kostenfaktor. Ich selbst fahre inzwischen zweigleisig: PayPal für den Alltag, ein zweites Wallet für internationale Honorare. Seitdem entscheide ich, wann getauscht wird, und nicht der Anbieter.
