Online bezahlen im Ausland: Diese Gebührenfallen lassen sich vermeiden
Es gibt eine Frage, bei der fast alle Reisenden falsch abbiegen, und sie klingt völlig harmlos: In Euro oder in Landeswährung zahlen? Mir ist es in einem Hotel in Prag passiert, ich habe auf dem Kartenterminal brav Euro gewählt, weil sich das vertrauter anfühlte. Ein Fehler, wie ich später auf der Abrechnung gesehen habe. Zeit, die häufigsten Gebührenfallen beim Bezahlen im und aus dem Ausland einmal aufzuschreiben.
Falle 1: Die DCC-Falle am Terminal und am Geldautomaten
Das Ganze hat einen Namen: Dynamic Currency Conversion, kurz DCC. Terminals und Geldautomaten im Ausland bieten an, den Betrag sofort in Euro umzurechnen, gerne garniert mit Begriffen wie garantierter Wechselkurs. Klingt nach Service, ist aber ein Geschäft: Den Kurs legt der Betreiber des Automaten fest, und der liegt oft mehrere Prozent über dem Kurs, den die eigene Bank verwenden würde. Die Verbraucherzentrale rät deshalb klar dazu, die Sofortumrechnung abzulehnen. Die Regel ist simpel und gilt immer: im Ausland konsequent in Landeswährung zahlen und abheben.
Falle 2: Das Auslandseinsatzentgelt der eigenen Bank
Die zweite Gebühr versteckt sich im Preisverzeichnis der eigenen Bank. Bei Kartenzahlungen außerhalb der Eurozone verlangen viele Institute ein Auslandseinsatzentgelt, üblich sind ein bis zwei Prozent des Umsatzes. Das klingt nach wenig, summiert sich aber: Bei zwei Wochen Urlaub mit 1.500 Euro Kartenumsatz sind das bis zu 30 Euro, nur fürs Bezahlen. Es gibt inzwischen genug Karten ohne dieses Entgelt, ein Blick ins eigene Preisverzeichnis vor der Reise lohnt also doppelt.
Falle 3: Der Umrechnungsaufschlag bei Online-Diensten
Auch wer gar nicht verreist, zahlt im Netz schneller in Fremdwährung, als ihm lieb ist: das Hotel über ein internationales Buchungsportal, die Software in Dollar, das Abo eines ausländischen Anbieters. Bezahldienste rechnen dann zu eigenen Kursen um, und die Aufschläge liegen je nach Anbieter bei rund 3 bis 4 Prozent, wie ich in meinem Vergleich der großen E-Wallets aufgeschlüsselt habe. Wenn der Shop die Wahl lässt, gilt dieselbe Regel wie am Terminal: in der Währung des Anbieters zahlen und die Umrechnung der eigenen Bank überlassen.
Falle 4: Die klassische Auslandsüberweisung
Die teuerste Variante, Geld ins Ausland zu bewegen, ist oft ausgerechnet der klassische Bankweg. Sobald eine Überweisung den SEPA-Raum verlässt, wandert sie über mehrere Zwischenbanken, von denen jede Spesen einbehalten kann. Warum das so ist und was die Alternativen sind, steht ausführlich in meinem Artikel SEPA vs. SWIFT. Die Kurzregel: Innerhalb Europas in Euro ist die Überweisung schnell und günstig, für alles darüber hinaus vorher die Konditionen prüfen.
Vor der Reise: fünf Minuten Vorbereitung
Am günstigsten bezahlt, wer sich vor dem Abflug kurz sortiert. Dazu gehört zu wissen, welche Währung am Ziel gilt und ob die eigene Karte dort ohne Zusatzkosten funktioniert. Gerade wer sich von unserer Liste der schönsten Reiseziele in Europa inspirieren lässt, sollte daran denken, dass einige der schönsten Ecken des Kontinents, etwa Tschechien, Polen oder Ungarn, eben nicht mit Euro bezahlen. Genau dort schnappen die Fallen aus diesem Artikel am häufigsten zu.
Fazit: Vier Regeln reichen
- Am Terminal und Automaten immer die Landeswährung wählen, nie die Sofortumrechnung in Euro.
- Vor der Reise das Preisverzeichnis der eigenen Karte auf das Auslandseinsatzentgelt prüfen.
- Online in der Währung des Anbieters zahlen, statt den Bezahldienst umrechnen zu lassen.
- Für Überweisungen über den SEPA-Raum hinaus vorher Kosten vergleichen.
Keine dieser Regeln kostet Zeit oder Mühe, zusammen sparen sie auf einer einzigen Reise schnell einen zweistelligen Betrag. Mein Prager Hotel-Lehrgeld hätte ich mir damit jedenfalls sparen können.
